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So kommt dein Pferd gut durch die kalte Jahreszeit

Mensch und Pferd bilden seit Jahrtausenden ein starkes Team – aber die beiden Spezies könnten in vielerlei Hinsicht unterschiedlicher nicht sein. Wir Zweibeiner ziehen uns in der dunklen Jahreszeit mit Vorliebe in die mollig beheizten vier Wände zurück. Wenn dein Pferd wählen dürfte, würde es sich lieber die scharfe, frische Winterluft um die Nüstern wehen lassen, statt bei geschlossenen Fenstern und Türen im „gemütlich“ warmen Stall zu stehen. Bekanntlich leben viele Pferde bei Minusgraden unter dem Sattel förmlich auf – allein dies sollte für den Reiter Anlass genug sein, die Pferdehaltung im Winter noch einmal gründlich zu überdenken.

So kommt dein Pferd gut durch die kalte Jahreszeit

Pferde sind Frischluftfanatiker

Frost macht gesunden Pferden mit natürlich gewachsenem Winterfell überhaupt nichts aus. Trockene Kälte genießen sie geradezu. Es sind Lauftiere, die dafür gemacht sind, die reine Luft der Steppe zu atmen. Müssen Pferde stattdessen die meiste Zeit in miefigen Stallgebäuden und staubigen Reithallen verbringen, leiden die empfindlichen Atemwege unter der Ammoniak- und Staubbelastung und der hohen Luftfeuchtigkeit. Atemwegsprobleme wie Husten und Stauballergien sind häufig die Folge.

Wenn du es in der Hand hast, gilt deshalb: den Stall unbeheizt lassen, Fenster und Türen entgegen der immer noch gängigen Praxis öffnen. Am schönsten verbringen Pferde den Winter in Gesellschaft von Artgenossen in einem trockenen, zugfreien und gut eingestreuten Offenstall oder wenigstens in einer Paddockbox. Falls beides keine Option ist, solltest du deinem Kameraden zumindest mehrere Stunden täglich im Auslauf bzw. auf dem Paddock gönnen.

Eindecken – ja oder nein?

Nasskaltes Wetter in Kombination mit Wind kann für Pferdesenioren mit nachlassender Thermoregulation und für sehr schlanke Tiere ohne schützende Fettschicht problematisch werden. Das Wichtigste ist, dass Stall oder Unterstand vor allem bei kaltem Nord- oder Ostwind zugfrei sind. In manchen Fällen kann bei ungünstigen Witterungsbedingungen auch eine schützende Decke hilfreich sein. Halte nach einer so genannten Weide- oder Paddockdecke Ausschau. Diese ist wasser- und winddicht sowie atmungsaktiv. Eine Wattierung sollte überflüssig sein; bei besonders empfindlichen Pferden kann jedoch ein Innenfutter aus Fleece durchaus Sinn machen. Hier gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich! Mit anderen Worten – du solltest dich nicht verführen lassen, von deinem eigenen Komfortbereich auszugehen. Gesunde Pferde fühlen sich bei Temperaturen zwischen -15° und +25° Celsius pudelwohl.

Möchtest du auch im Winter mit deinem Pferd sportlich aktiv sein, entscheidest du dich möglicherweise für eine Teilschur. Dann ist eine wärmende Decke natürlich Pflicht, um den dichten Pelz zu ersetzen.

Muss die Fütterung angepasst werden?

Gesunde Pferde mit natürlichem Winterfell verbrauchen ab ca. -10° Celsius vermehrt Energie für die Wärmeproduktion. Demnach sollte es erst ab diesen Minusgraden notwendig sein, die Rau- und Kraftfuttermenge zu erhöhen. Ist dein Kamerad rasse- oder altersbedingt sehr schwerfuttrig, solltest du lieber rechtzeitig zufüttern, damit er mit einer gesunden, schützenden Fettschicht in die kalte Jahreszeit geht. Hilfreich kann dabei die Zugabe einer wohl abgestimmten Ration Öl (beispielsweise Sonnenblumenöl) sein.

Bewegungsmangel und die Folgen

Gerade ältere und nicht reitbare Pferde leiden unter dem Wegfall des sommerlichen Weidegangs; Arthrosepferde rosten nun schnell ein. Bewegungsarmut und feuchtkaltes Wetter sind Gift für sie, Arthroseschübe und ein Fortschreiten der Krankheit drohen. Dem lässt sich leider kaum vollständig entgegenwirken – denke aber rechtzeitig daran, etwa Muschelextrakt und Spurenelemente zuzufüttern, um Knorpel und Sehnen möglichst elastisch zu halten.

Spiel und Spaß im Schnee

Für Pferde gibt es kaum Schöneres, als auf verschneitem Untergrund ihre Muskeln spielen zu lassen. Die Versuchung ist deshalb groß, gleich nach dem ersten ordentlichen Schneefall das Weidetor zu öffnen. Leider lauern gerade auf der winterlichen Weide zahlreiche Gefahren; und nach dem Abtauen der weißen Pracht wirst du feststellen, dass die Freudenausbrüche der Pferde tiefe Spuren im Boden hinterlassen haben. Dieser sollte deshalb richtig durchgefroren sein – eine noch so dicke Schneeauflage genügt nicht, um die Grasnarbe vor den Tritten zu schützen. Die Trittlöcher schädigen nicht nur das Weideland, sondern werden beim nächsten Frost auch zu gefährlichen Eispfützen und Stolperfallen.

Gefrorenes Gras kann in größerer Menge Koliken verursachen. Das Risiko lässt sich verringern, wenn du vor dem Weidegang eine großzügige Ration Raufutter anbietest. Weiterhin enthält das schmackhafte Grün die Zuckerart Fruktan. Seit einiger Zeit weiß man, dass ein Zuviel an Fruktan die gefürchtete Hufrehe auslösen kann. Dieses „Zuviel“ lässt sich nicht in Zahlen angeben, es ist von Pferd zu Pferd unterschiedlich. Besonders gefährlich sind Kahlfröste (gefrorenes Gras ohne Schneedecke) oder Temperaturen knapp über 0° Celsius in Verbindung mit Sonnenschein. Dann steigt die Fruktanproduktion vor allem in kurzgefressenen Gräsern an.

In den letzten Jahren ging das Schreckgespenst der atypischen Weidemyopathie immer wieder durch die Medien. Die meist tödlich verlaufende Krankheit tritt glücklicherweise nur sporadisch auf, und zwar immer bei reinen Weidepferden und nach plötzlichen Kälteeinbrüchen im Herbst oder Winter. Die Ursachen sind noch nicht geklärt; aber man geht davon aus, dass sich durch Kälteeinwirkung Gifte in den Pflanzen oder Mikroorganismen auf der Weide bilden. Auch hier dürfte der beste Schutz darin bestehen, die Pferde im Winter niemals hungrig und nur stundenweise auf die Graskoppel zu lassen.

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