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Hühner im eigenen Garten – Gedanken vor der Anschaffung

Ein munterer Trupp farbenfroher Hühner auf einer grünen Wiese, angeführt von einem stolzen, schillernden Gockel; gesunde Eier von glücklichen Tieren; ein Stückchen heile Welt im eigenen Garten … Davon träumen viele Menschen, die ein wenig Land oder einen Garten besitzen, und so ist die Haltung von Zwerghühnern in den letzten Jahren zu einer äußerst beliebten Freizeitbeschäftigung geworden.

Hühner im eigenen Garten – Gedanken vor der Anschaffung

Die Realität kann jedoch ganz anders und sehr viel weniger idyllisch aussehen: Zu viele Hühner auf einer kleinen Fläche bringen innerhalb weniger Wochen jegliche Vegetation zum Absterben, unhygienische Matschflächen breiten sich aus. Der Parasitendruck steigt; die Tiere können Verhaltensstörungen bis hin zum Kannibalismus entwickeln. All dies lässt sich jedoch vermeiden, wenn du vorab ehrlich prüfst, ob deine Lebens- und Platzverhältnisse eine geeignete Basis für die Hühnerhaltung sind. Wenn schließlich alles passt, steht einem wundervollen Hobby nichts mehr im Weg!

Hast du genug Zeit?

Hühner sind relativ anspruchslose Tiere. Um ihren Bedürfnissen gerecht zu werden, solltest du trotzdem pro Tag etwa 20 Minuten bis eine halbe Stunde Zeit fest einplanen. Zu den notwendigen Arbeiten gehören die Reinigung des Stalles und der Futtergeräte, die tägliche Prüfung des Gesundheitszustands und die Pflege des Freilaufgeländes.

Reicht der Platz?

Obwohl man unmöglich eine pauschale Aussage treffen kann, wie viele Hühner du in einem durchschnittlichen Hausgarten halten kannst, solltest du den Platzbedarf auch kleiner Hühnerrassen nicht unterschätzen.

Seit die Hühnerhaltung im eigenen Garten zu einem trendigen Hobby geworden ist, kann man im Zoofachhandel schon für etwa 200 Euro preiswerte Fertigkombinationen aus Hühnerstall und verdrahtetem Freigehege erwerben. Selbst wenn sich solche Lösungen mit Attributen wie „XXL“ schmücken, bieten sie nur eine Grundfläche von 3 bis höchstens 4 qm. Und das ist einfach sehr viel zu wenig für eine dauerhafte und hygienische Haltung. Ein solches Gehege eignet sich bestenfalls als nächtliche Unterkunft, wenn den Tieren tagsüber ein größeres Gartenstück zur Verfügung steht. Außerdem ist die Reinigung dieser Fertigställe eine furchtbar unpraktische Prozedur. Sehr viel besser geeignet sind die üblichen Garten- oder Kinderspielhäuser aus Holz, die du im Baumarkt relativ preiswert kaufen und mit auch mit geringer handwerklicher Erfahrung rasch in eine schöne Hühnerresidenz verwandeln kannst.

In der wirtschaftlich ausgerichteten, ländlichen Hühnerhaltung veranschlagt man pro Tier etwa 5 qm Freilauffläche – für größere und/oder lebhafte Rassen mehr, für kleine und/oder ruhige Rassen gegebenenfalls weniger. Bedenke jedoch, dass dies Mindestwerte sind – von der idyllischen grünen Wiese wird dann nach einigen Regengüssen oder Trockenperioden nicht mehr viel übrig sein. Außerdem steigt der Parasitendruck bei beengten Platzverhältnissen deutlich; die Hühner beginnen unweigerlich, im eigenen Kot zu scharren; sie langweilen sich schneller und entwickeln schlimmstenfalls Verhaltensprobleme wie Federfressen oder Kannibalismus.

Als Hobbyhalter wünschst du dir wahrscheinlich ein richtiges Hühnerparadies. Plane deshalb lieber mindestens 10 qm Freilauffläche pro Tier ein.

Das Stallgebäude hingegen muss nicht allzu groß sein – vorausgesetzt, es dient nur als Schlafstall und die Tiere haben tagsüber Freilauf. Wenn der Stall sinnvoll konstruiert ist, kannst du auf einer Grundfläche von 1 qm ca. vier Hühner halten. Im Idealfall schließt sich an das Gebäude ein sogenannter Kaltscharraum an, also eine überdachte, raubtiersicher verdrahtete Voliere für Regentage. Hühner sind für ein trockenes Plätzchen stets dankbar. Und in den Zeiten deiner Abwesenheit hast du ein gutes Gefühl, wenn du die Tiere im Kaltscharraum lässt; denn Marder und andere Raubtiere gibt es überall.

Schließlich solltest du auch daran denken, dass es jederzeit wieder zu einer behördlich angeordneten Aufstallpflicht kommen kann (zuletzt war dies vor ein paar Jahren zum Schutz vor der Vogelgrippe der Fall). Dann bist du gut dran, wenn du einen fest überdachten Kaltscharraum besitzt.

Was sagen die Ämter und die lieben Nachbarn?

Damit sind wir schon bei einem weiteren wichtigen Thema: Vor der Anschaffung solltest du prüfen, ob es in deiner Gegend von behördlicher Seite Auflagen und Einschränkungen für die Hühnerhaltung gibt. Ansprechpartner sind die Veterinärämter. Ähnliches gilt für eventuell einzuholende Baugenehmigungen: Für feste Gebäude ab einer bestimmten Grundfläche und Höhe gibt es in den einzelnen Bundesländern unterschiedliche Vorschriften.

Die Nachbarn könnten deine Pläne ebenfalls durchkreuzen, vor allem wenn du eine komplette Hühnerfamilie inklusive Hahn beherbergen möchtest. Dieser wird seinem Lebensgefühl unweigerlich und lautstark Ausdruck verleihen – und zwar im Gegensatz zu einer weit verbreiteten Meinung nicht nur im Morgengrauen, sondern zu jeder Tages- und schlimmstenfalls auch Nachtzeit. Gerade unter den Zwerghühnern finden sich recht temperamentvolle Rassen, deren Hähne viel, gerne und laut krähen.

Auch wenn du den Anblick der im Garten scharrenden Hühner genießt – deine Nachbarn denken möglicherweise anders darüber. Zudem lauern außerhalb der sicheren Grenzen deines Gartens zahlreiche Gefahren etwa in Form von Hunden und Autostraßen. Prüfe deshalb deinen Gartenzaun, und zwar nicht nur auf Lücken, sondern auch auf seine Höhe. Die meisten Hühner – vor allem viele Vertreter der leichten Zwerghuhnrassen – fliegen besser, als man vielleicht glauben mag. Aus diesem Grund sollte der Zaun für die meisten Rassen mindestens 1,20 Meter sein (höher ist immer besser). Nur wenn sich vor oder hinter dem Zaun Sträucher und Ähnliches befinden, darf er unter Umständen etwas niedriger ausfallen.

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